Der Vortrag führt in die praxeologische Infrastrukturforschung ein und fragt anhand der Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz nach ihrer ökologischen Perspektivierung.

  • Wie verhält sich das lokale, situierte Prompting mit großen Sprachmodellen zur konstituierenden Umgebung der hierfür genutzten Medientechnologien?
  • Welche Infrastrukturen tragen (und zerstören) welche Ökologie? Wer etabliert aus welchem politisch-ökonomischen Interesse heraus – mit welchen Medien – KI als lernendes, datenintensives System und naturalisierte Bedingung unseres Handelns?

Im Mittelpunkt meiner Überlegungen steht dabei der Chatbot Claude, samt der Varianten seiner Sprachmodelle. Mit dessen Firma Anthropic ist seit 2021 ein Medienakteur neuen Stils auf die Szene getreten, der aktuell Maßstäbe in Sachen Entwick­lungs­dyna­mik, Versicherheitlichung und Ethik von KI setzt. Die laboratorischen Praktiken und Techniken, mit denen Sprachmodellen menschliche Werte eingeschrieben werden sollen (alignment), bedeuten darin einen neuralgischen Punkt:

Warum braucht ein Chatbot wie Claude eine „Verfassung“, die als erzieherisches Medium fungiert? 

 

Zur Person

Sebastian Gießmann ist Privatdozent für Medienkulturwissenschaft an der Universität zu Köln. Er arbeitet als akademischer Oberrat für Medientheorie an der Universität Siegen und leitet das Teilprojekt „Digital vernetzte Medien zwischen Spezialisierung und Universalisierung“ im dortigen SFB Medien der Kooperation. Er war Gastprofessor für Kulturtechniken und Wissensgeschichte am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Habilitation an der Universität zu Köln; Dissertation an der Humboldt-Universität zu Berlin. Veröffentlichungen u.a.: The Connectivity of Things: Network Cultures since 1832, Cambridge, MA; London (MIT Press), 2024; Das Kreditkarten-Buch. Geschichte und Theorie des digitalen Bezahlens, Berlin (Kadmos), 2026. Theorie der Medienpraxis, Baden/Baden (Nomos), 2027.