4. Kinder- und Jugendbericht Rheinland-Pfalz – Beteiligung aller jungen Menschen in Rheinland-Pfalz zwischen Anspruch und Wirklichkeit

 

 

Forschungsteams des Verbundprojekts


Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
(Federführung)
Projekt- und Verbundleitung: Prof.‘in Dr. Tanja Betz
Wiss. Mitarbeiterin: Corinna Neuhoff, M.A.
Assoziierte Mitarbeiterinnen: Nicoletta Eunicke, M.A.; Eva Reitz, M.A.
Studentische Mitarbeiterinnen: Jeanette Franceux, B.A.; Salome Löhr, B.A.;
Norina Rausch, B.A.; Anahita Steinhoff, B.A.

 

 

Institut für sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH (ism)
Projektleitung: Heinz Müller, Dipl.-Päd., Geschäftsführer
Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Eva Dittmann, M.A.; Sybille Kühnel, Dipl.-Soz.

 

 

 

Universität Trier
Projektleitung: AOR’in Dr. Magdalena Joos
Studentische Mitarbeiter:innen: Helena Dimmer, B.A.; David Jung, B.A.

 
 
 
Ansprechpartnerin der JGU: Corinna Neuhoff, M.A. (kjbericht_rlp@uni-mainz.de)
 
Projektlaufzeit: 01.08.2022 – 31.01.2025

 

Projektbeschreibung

Kinder- und Jugendberichterstattung mit dem Themenschwerpunkt „Beteiligung“

Die Kinder- und Jugendberichterstattung in Rheinland-Pfalz hat mittlerweile Tradition. Sie geht aus einem Beschluss des Landtags aus dem Jahr 2007 hervor. Im Jahr 2008 startete die Arbeit am ersten Bericht; nun steht die Erarbeitung des 4. Kinder- und Jugendberichts an. Die Berichte geben sowohl auf der Ebene des Landes Rheinland-Pfalz als auch regional differenziert sowie bezogen auf bestimmte Gruppen von jungen Menschen, empirische Einblicke in ihre Lebensbedingungen. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Sozialberichterstattung über junge Menschen (Betz 2008, 2018; Joos 2001; Joos/Mader 2022) in Rheinland-Pfalz.

Mit dem Berichtsauftrag ist jeweils ein besonderer inhaltlicher Fokus verbunden. Der 4. Kinder- und Jugendbericht wird sich mit dem Schwerpunktthema Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen beschäftigen. Der Titel des Berichts lautet: Beteiligung aller jungen Menschen in Rheinland-Pfalz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Derzeit bestehen bereits weitreichende gesetzliche Anforderungen an die Beteiligung junger Menschen, auch gilt die Mitgestaltung und Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen in pädagogischen Praxisfeldern als Qualitätsmerkmal; sie sollen in Qualitätsentwicklungsprozessen verankert werden (Rother/Betz 2021). Allerdings haben diese Vorgaben und Leitlinien – so zeigen Studien auf – bislang in der praktischen Umsetzung vielfach noch nicht dazu geführt, dass sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Anliegen, Interessen und Bedarfen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilbereichen (wie Schule, Kinder- und Jugendhilfe, Familie, Politik etc.) angemessen einbezogen fühlen und ihre Anliegen vertreten können. Schwierigkeiten wurden auch gerade in Zeiten von Corona deutlich (Dittmann et al. 2021).
Im Bericht wird daher zum einen auf die konkreten Einflussmöglichkeiten von jungen Menschen zum Beispiel in Schulen, am Wohnort oder in der Kinder- und Jugendarbeit eingegangen. Zum anderen geht es darum, welche Perspektiven Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene selbst auf ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten haben, und um ihre Positionen in Beteiligungsvorhaben. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Unterschieden: Wer kann sich unter welchen Voraussetzungen sehr leicht beteiligen, für wen gibt es Barrieren und Hemmnisse? Wer wird in unserer Gesellschaft mit bedacht, wer bleibt stumm? Was sind die Gründe hierfür und wie kann man dagegen vorgehen?

Interessant ist das Thema Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch deshalb, weil es mit zahlreichen weiteren gesellschaftspolitisch relevanten Themen wie Radikalisierung, Politikverdrossenheit, antidemokratischen Tendenzen sowie mit sozialem Zusammenhalt, Bildung, Lernen und Demokratieförderung verknüpft ist (Betz/Gaiser/Pluto 2010). Damit sind auch die verschiedenen Zwecke angesprochen, die mit Beteiligungsvorhaben einhergehen und die sowohl für den jeweiligen Anlass, den Prozess selbst als auch für die Wirkungen von Beteiligung entscheidend sind.

Der 4. Kinder- und Jugendbericht greift diese vielschichtige Ausgangssituation in seinem Projekt- und Forschungsdesign auf.

 

Forschungs- und Projektdesign

Mit einer multimethodischen und multiperspektivischen Herangehensweise verortet sich das Verbundprojekt im konzeptionellen Rahmen der Sozialberichterstattung über Kinder und Jugendliche. Angefangen mit einer Sekundäranalyse werden im Rahmen des 4. Kinder- und Jugendberichts Daten und Fakten zu zivilgesellschaftlichen und staatlichen Leistungen für das Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung mit einem Schwerpunkt auf den spezifischen Voraussetzungen für die Realisierung von Beteiligung aufbereitet und untersucht.
In einem mehrstufigen Verfahren werden primäranalytisch die Positionen und Perspektiven junger Menschen im Kontext von Beteiligung analysiert: Mithilfe eines qualitativen Zugangs werden explorativ Gruppendiskussionen und Interviews sowohl mit Kindern als auch mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchgeführt. Daran anknüpfend wird mit mithilfe eines quantitativen Designs eine standardisierte Befragung mit Jugendlichen realisiert, die Hinweise zu den Einflussfaktoren auf die Beteiligung von Jugendlichen liefern soll.
Zudem wird im Sinne einer regional differenzierten, indikatorenbasierten Sozialberichterstattung über eine Sekundärdatenanalyse der bereits bewährte Index für das Wohlbefinden von jungen Menschen fortgeschrieben und weiterentwickelt.

Zugleich ist das Schwerpunktthema „Beteiligung“ auch maßgeblich in das Projektdesign des 4. Kinder- und Jugendberichts eingebettet. So werden projektbegleitend z.B. Anhörungen, Workshops und Diskussionsrunden mit wichtigen Akteur:innen aus Wissenschaft, Politik und Fachpraxis und ebenso mit den wichtigen Akteur:innen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene durchgeführt und anschließend aufbereitet.

(Gelangen Sie hier zum ersten, zweiten und dritten Kinder- und Jugendbericht Rheinland-Pfalz)

Der Bericht wurde von der Landesregierung, vertreten durch das Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, in Auftrag gegeben.
Den Vorsitz der unabhängigen wissenschaftlichen Berichtskommission hat Prof.‘in Tanja Betz.

 

Ausgewählte Literatur

Betz, T. (2008). Ungleiche Kindheiten. Theoretische und empirische Analysen zur Sozialberichterstattung über Kinder. Weinheim: Juventa.

Betz, T. (2018). Child Well-Being. Konstruktionen 'guter Kindheit' in der (inter-)nationalen indikatorengestützten Sozialberichterstattung über Kinder. In T. Betz, S. Bollig, M. Joos & S. Neumann (Hrsg.), Gute Kindheit. Wohlbefinden, Kindeswohl und Ungleichheit (S. 49–69). Weinheim: Juventa.

Betz, T., Gaiser, W. & Pluto, L. (Hrsg.). (2010). Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Forschungsergebnisse, Bewertungen, Handlungsmöglichkeiten. Berlin: Bundeszentrale für politische Bildung.

Dittmann, E., Döbrich, A., Grossart, A., Kühnel, S. & Moos, M. (2021). Jugend in Zeiten von Corona. Ergebnisse der Jugendbefragung in Rheinland-Pfalz 2021. Mainz: Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH.

Joos, M. (2001). Die soziale Lage der Kinder. Sozialberichterstattung über die Lebensverhältnisse von Kindern in Deutschland. Weinheim: Juventa.

Joos, M. & Mader, M. (2022). Sozialberichterstattung über Kinder. In R. Braches-Chyrek, C. Röhner, H. Sünker & M. Hopf (Hrsg.), Handbuch Frühe Kindheit (2. akt. und erw. Aufl.) (S. 305–314). Opladen: Barbara Budrich.

Rother, P. & Betz, T. (2021). Wunsch und Wirklichkeit der Beteiligung von Kindern und Eltern in Kindertageseinrichtungen. Eine problemorientierte Einführung. In P. Rother, T. Betz, S. Flegler & A. Gemeinhardt (Hrsg.), Wo bitte geht’s ‚zur Augenhöhe‘? Wunsch und Wirklichkeit der Beteiligung von Kindern und Eltern in Kindertageseinrichtungen: Dokumentation des Dialogforums am 21.09.2020 im Schader-Forum (S. 16–24). Darmstadt: Schader Stiftung.